Wenn Millionen Christen weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden, kann Schweigen dazu beitragen, dass ihr Schicksal aus dem Blickfeld gerät. Der niederländische Abgeordnete Don Ceder hat sich entschieden, nicht zu schweigen.
Christenverfolgung beherrscht nur selten über längere Zeit die politischen Schlagzeilen. Die Betroffenen leben häufig Tausende Kilometer von Europa entfernt, ihre Namen sind hier kaum bekannt, und ihr Leid droht zwischen Kriegen, Wirtschaftskrisen und anderen politischen Prioritäten in Vergessenheit zu geraten.
Doch für Don Ceder, Abgeordneter der ChristenUnie im niederländischen Parlament, ist die Verfolgung von Christen ein Thema, das er immer wieder auf die politische Tagesordnung setzt.
Sein Engagement verdient Anerkennung. Nicht nur, weil er über verfolgte Christen spricht, sondern vor allem, weil er versucht, diese Anteilnahme in konkretes parlamentarisches Handeln umzusetzen.
Christenverfolgung auf der Tagesordnung des niederländischen Parlaments
Am 1. April 2026 debattierte die niederländische Tweede Kamer ausführlich über die weltweite Verfolgung von Christen. Ceder gehörte zu den Abgeordneten, die sich nachdrücklich dafür eingesetzt hatten, diesem Thema parlamentarische Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Er wies auf die große Zahl von Christen hin, die weltweit aufgrund ihres Glaubens Verfolgung oder schwerwiegender Diskriminierung ausgesetzt sind, und forderte ein entschlosseneres Vorgehen im Rahmen der niederländischen Außenpolitik.
Dass eine solche Debatte überhaupt stattfindet, ist keineswegs selbstverständlich. Unzählige dringende Themen konkurrieren ständig um die Aufmerksamkeit eines Parlaments. Umso mehr verdient es Anerkennung, wenn ein Politiker beharrlich für Menschen eintritt, die selbst kaum politischen Einfluss in den Niederlanden haben.
Verfolgte Christen, die Tausende Kilometer entfernt leben, können keinen niederländischen Abgeordneten wählen. Viele von ihnen werden wahrscheinlich niemals erfahren, welche Politiker in den Niederlanden ihre Situation zur Sprache gebracht haben.
Gerade deshalb erhält ein solches Engagement eine besondere Bedeutung.
Und es blieb nicht bei Worten.
Im Zusammenhang mit der Debatte brachte Ceder gemeinsam mit anderen Abgeordneten mehrere konkrete Anträge ein. Ein Antrag von Ceder und Simon Ceulemans forderte die Regierung auf, mögliche Maßnahmen gegenüber Ländern zu prüfen, in denen auf Blasphemie oder Abfall vom Glauben die Todesstrafe steht. Der Antrag wurde mit einer überwältigenden Mehrheit von 143 zu 7 Stimmen angenommen.
Ein weiterer Antrag von Ceder und Hanneke van der Werf befasste sich mit Zwangs- und Kinderehen, die laut Antrag häufig mit Zwangskonversion und sexuellem Missbrauch einhergehen. Die Regierung wurde aufgefordert, diese Praktiken in bilateralen Gesprächen aktiv anzusprechen und dabei die Bedeutung einer fairen Rechtsprechung hervorzuheben. Dieser Antrag wurde mit bemerkenswerten 149 zu 1 Stimmen angenommen.
Diese Abstimmungsergebnisse zeigen etwas Entscheidendes: Ceder macht nicht nur auf Christenverfolgung aufmerksam. Bei wichtigen Fragen der Religionsfreiheit ist es seinen Initiativen gelungen, eine außergewöhnlich breite Unterstützung im niederländischen Parlament zu gewinnen.
Von Worten zu einem konkreten politischen Konzept
Ceders Engagement geht weit über Reden und parlamentarische Anfragen hinaus.
Am 27. Januar 2026 legte er das Initiativpapier „Tegen christenvervolging, voor geloofsvrijheid: richtinggevende voorstellen voor een diplomatiek daadkrachtig buitenlandbeleid“ vor – sinngemäß: Gegen Christenverfolgung, für Religionsfreiheit: Vorschläge für eine entschlossene Außenpolitik.
Darin schlägt er vor, die Religions- und Weltanschauungsfreiheit struktureller in der niederländischen Außenpolitik zu verankern.
Zu den Vorschlägen gehören unter anderem eine stärkere diplomatische Beobachtung religiöser Verfolgung, bessere Kenntnisse über Religion bei Diplomaten, eine engere Zusammenarbeit mit Kirchen und lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen, eine stärkere Einbindung von Diaspora-Gemeinschaften sowie besondere Aufmerksamkeit für die Situation von Konvertiten.
Das Papier fordert außerdem, Länder deutlich anzusprechen, in denen Blasphemie oder Apostasie mit dem Tod bestraft werden können, und sich für die Abschaffung solcher Gesetze oder zumindest für eine konsequente Bekämpfung ihres Missbrauchs einzusetzen.
Wichtig ist dabei, dass Ceder Religionsfreiheit nicht ausschließlich als ein Recht von Christen versteht. Sein Engagement folgt dem umfassenderen Grundsatz, dass Religions- und Weltanschauungsfreiheit ein fundamentales Menschenrecht ist.
Sich für verfolgte Christen einzusetzen bedeutet schließlich nicht, das Leid anderer verfolgter Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften geringer zu achten. Religionsfreiheit gilt für alle Menschen.
Eine deutliche Stimme für Christen in Pakistan
Für Christen in Pakistan ist Ceders parlamentarisches Engagement von besonderer Bedeutung.
Im Juni 2024 brachten Ceder und der SGP-Abgeordnete Chris Stoffer einen Antrag zum GSP+-Status Pakistans ein. Im Rahmen dieses Handelssystems erhält Pakistan einen bevorzugten Zugang zum europäischen Markt.
Der Antrag forderte, dass bei einer Entscheidung über die Fortführung dieses Status erhebliches Gewicht darauf gelegt werden sollte, ob Pakistan tatsächlich Maßnahmen ergreift, um seine christliche Minderheit besser zu schützen.
Dabei wurde ausdrücklich auf den Missbrauch der pakistanischen Blasphemiegesetze hingewiesen.
Der Antrag erhielt 145 von 150 Stimmen im niederländischen Parlament.
Das war mehr als eine symbolische Solidaritätsbekundung. Der Antrag versuchte, den Schutz der Menschenrechte mit einem konkreten Instrument der europäischen Handelspolitik zu verbinden.
Kritische Fragen zu Pakistans Blasphemiegesetzen
Ceder hat die Situation pakistanischer Christen auch danach immer wieder thematisiert.
Im April 2025 stellte er parlamentarische Fragen, nachdem über einen Christen in Pakistan berichtet worden war, der wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden war. Unter anderem fragte er die Regierung, ob sie sich für dessen Freilassung und Sicherheit einsetzen, ein mögliches Berufungsverfahren durch einen niederländischen Vertreter beobachten lassen und weitere Schritte gegen den Missbrauch der pakistanischen Blasphemiegesetze unternehmen würde.
Nach Berichten über die Erschießung eines pakistanischen christlichen Pastors stellte Ceder im Dezember 2025 erneut eindringliche Fragen.
Er wollte wissen, ob Christen in Pakistan ausreichend geschützt werden, verwies auf die Entführung und Zwangskonversion christlicher Mädchen und fragte ausdrücklich, ob die niederländische Regierung bereit sei, sich entschiedener gegen den Missbrauch oder sogar für die Abschaffung der Blasphemiegesetze einzusetzen.
Er stellte erneut einen Zusammenhang mit Pakistans GSP+-Status her und warf die Frage auf, wie ein bevorzugter Zugang zum europäischen Markt mit strukturellen Verletzungen der Rechte religiöser Minderheiten vereinbar ist.
Das sind unbequeme Fragen.
Aber es sind Fragen, die gestellt werden müssen.
Und Ceders Kritik an Blasphemiegesetzen beschränkt sich nicht auf Pakistan. Der im April 2026 mit 143 zu 7 Stimmen angenommene Antrag fordert die Regierung auf, mögliche Maßnahmen gegenüber Ländern zu prüfen, in denen Blasphemie oder Apostasie mit dem Tod bestraft werden können.
Für Menschen, die unter der Bedrohung solcher Gesetze leben, ist dies keine abstrakte politische Diskussion. Es kann buchstäblich um Leben und Tod gehen.
Einsatz für entführte und zwangsweise konvertierte Mädchen
Im März 2026 lenkte Ceder die Aufmerksamkeit des Parlaments erneut gezielt auf Pakistan – diesmal nach Berichten über ein christliches Mädchen und dessen mutmaßlichen Entführer.
Seine parlamentarischen Fragen betrafen ein Muster, vor dem Menschenrechtsorganisationen seit Langem warnen: Mädchen aus religiösen Minderheiten werden entführt, zwangsweise konvertiert und anschließend unter dem Deckmantel einer Ehe an ihre Entführer gebunden.
Ceder fragte unter anderem, ob die Niederlande sich aktiver für diese Mädchen und ihre Familien einsetzen könnten, beispielsweise indem niederländische Diplomaten relevante Gerichtsverfahren beobachten und die pakistanischen Behörden direkt auf solche Fälle ansprechen.
Außerdem wollte er wissen, welche Rolle der niederländische Sonderbeauftragte für Religions- und Weltanschauungsfreiheit spielen könnte und ob die Regierung bereit sei, mit der pakistanisch-christlichen Gemeinschaft in den Niederlanden über Christenverfolgung in Pakistan und mögliche niederländische Maßnahmen zu sprechen.
Dieses Anliegen fand anschließend auch in einem breiteren parlamentarischen Vorstoß Ausdruck. Der von Ceder mit eingebrachte Antrag zu Zwangs- und Kinderehen sowie Zwangskonversion wurde mit 149 zu 1 Stimmen angenommen.
Für betroffene Familien mögen parlamentarische Anfragen und Anträge zunächst nur wie Worte auf Papier erscheinen. Doch politischer Druck beginnt häufig genau dort:
Jemand muss bereit sein, die unbequeme Frage als Erster offiziell zu stellen.
Mut bedeutet auch, nicht wegzusehen
Nach einer Tragödie Mitgefühl auszudrücken, ist vergleichsweise einfach. Bedeutender wird Anteilnahme, wenn daraus dauerhaftes Engagement entsteht.
Don Ceder kommt immer wieder auf Christenverfolgung zurück: in Debatten, parlamentarischen Anfragen, Anträgen und konkreten politischen Vorschlägen.
Seine parlamentarische Arbeit zeigt außerdem, dass seine Aufmerksamkeit für verfolgte Christen nicht auf ein einziges Land beschränkt ist.
Diese Beharrlichkeit verdient unserer Ansicht nach Anerkennung.
Politischer Mut bedeutet nicht immer, die populärste Position einzunehmen. Manchmal bedeutet er, weiterhin über Menschen zu sprechen, deren Leid allzu leicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet.
Für verfolgte Christen – ob sie ihren Glauben verbergen müssen, eine Blasphemiebeschuldigung fürchten, um Opfer von Gewalt gegen ihre Gemeinde trauern oder verzweifelt nach einer entführten Tochter suchen – macht es einen Unterschied, wenn jemand in einem demokratischen Parlament bereit ist, ihre Situation beim Namen zu nennen, Fragen zu stellen und politisches Handeln einzufordern.
Die breite parlamentarische Unterstützung verschiedener Initiativen – 143 zu 7 Stimmen, 149 zu 1 Stimmen sowie 145 Stimmen für den Pakistan betreffenden GSP+-Antrag – zeigt darüber hinaus, dass eine beharrliche Stimme auch viele andere für eine Sache gewinnen kann.
Eine Stimme, die gehört werden sollte
Protecting Persecuted Christians veröffentlicht diesen Artikel nicht, um eine politische Partei zu unterstützen. Politiker und politische Parteien sollten selbstverständlich anhand der Gesamtheit ihrer Positionen und ihres Handelns kritisch beurteilt werden können.
Doch wenn sich ein Abgeordneter nachweislich und wiederholt für verfolgte Menschen einsetzt, sollten auch wir den Mut haben, dafür Danke zu sagen.
Don Ceder hat dazu beigetragen, dass Christenverfolgung nicht aus der politischen Debatte in den Niederlanden verschwindet.
Vor allem seine anhaltende Aufmerksamkeit für Pakistan verdient die Anerkennung all jener, die wissen, wie verletzlich christliche Gemeinschaften dort sein können.
Wir hoffen, dass er weiterhin schwierige Fragen stellen wird.
Wir hoffen, dass er Regierungen weiterhin zur Verantwortung zieht, wenn Religionsfreiheit politischen oder wirtschaftlichen Interessen untergeordnet zu werden droht.
Und vor allem hoffen wir, dass er im niederländischen Parlament weiterhin Menschen eine Stimme gibt, deren eigene Stimme nur allzu oft kaum gehört wird.
Für dieses Engagement, diesen Mut und dieses Mitgefühl sprechen wir ihm unsere aufrichtige Anerkennung aus.
Quellenhinweis: Dieser Artikel stützt sich hauptsächlich auf offizielle Dokumente der niederländischen Tweede Kamer, darunter parlamentarische Anfragen, Anträge und Abstimmungsergebnisse, Parlamentsdebatten sowie Don Ceders Initiativpapier zu Christenverfolgung und Religionsfreiheit.
Bildnachweis: Nienke van Denderen Fotografie / ChristenUnie. Lizenziert unter CC BY-SA 4.0.
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