Frauen unter Blasphemieverdacht in Pakistan: Religion, Geschlecht und Armut

Pakistanische Christin, die mit einem Blasphemievorwurf konfrontiert ist – Symbolbild

Frauen, die in Pakistan wegen Blasphemie angeklagt werden, unterliegen denselben strengen Strafgesetzen wie Männer, doch Geschlecht, Armut und Minderheitenstatus können zusätzliche Risiken schaffen.

Doch Geschlecht, Armut, wirtschaftliche und familiäre Abhängigkeit sowie die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit können zusätzliche Risiken und Benachteiligungen mit sich bringen.

Asia Bibi

Asia Bibi war eine christliche Landarbeiterin.

Der Konflikt, der schließlich zu ihrem Blasphemieverfahren führte, begann mit einem Streit unter Frauen, die gemeinsam auf landwirtschaftlichen Feldern arbeiteten.

Sie wurde zum Tode verurteilt.

Jahre später sprach der Oberste Gerichtshof Pakistans sie frei.

Ihr Fall zeigt, wie ein alltäglicher zwischenmenschlicher Konflikt zu einem Strafverfahren eskalieren kann, das schließlich internationale Aufmerksamkeit erregt.

Shagufta Kausar

Die Christin Shagufta Kausar und ihr Ehemann Shafqat Emmanuel wurden beschuldigt, blasphemische Textnachrichten versandt zu haben.

Im Jahr 2014 wurden beide zum Tode verurteilt.

Der Lahore High Court sprach sie schließlich 2021 frei.

Zu den Fragen hinsichtlich der Beweislage gehörte auch, ob das Ehepaar überhaupt über die sprachlichen und technischen Fähigkeiten verfügte, die ihm im Zusammenhang mit den Nachrichten zugeschrieben wurden.

Armut und rechtliche Verteidigung

Ein wohlhabender Angeklagter kann möglicherweise erfahrene Anwälte beauftragen, Angehörige an einen sicheren Ort bringen und Sachverständigengutachten einholen.

Einer armen Frau stehen solche Möglichkeiten unter Umständen überhaupt nicht zur Verfügung.

Gehört sie zusätzlich einer religiösen Minderheit an, können sich wirtschaftliche Benachteiligung und religiöse Gefährdung gegenseitig verstärken.

Auch andere Frauen tragen die Folgen

Auch Frauen, die selbst niemals beschuldigt werden, können schwerwiegende Folgen eines Blasphemievorwurfs zu tragen haben.

Die Verhaftung eines Mannes kann dazu führen, dass seine Ehefrau ohne das bisherige Haushaltseinkommen zurückbleibt.

Mütter müssen möglicherweise immer wieder weite Wege zu Gefängnissen und Gerichten zurücklegen.

Töchter können aufgrund von Drohungen gegen die Familie gezwungen sein, die Schule nicht mehr zu besuchen.

Witwen von Opfern eines Lynchmordes können plötzlich allein für den Lebensunterhalt ihrer Kinder verantwortlich sein.

Fazit

Wer die Auswirkungen von Blasphemievorwürfen auf Frauen verstehen will, darf nicht nur die Zahl der weiblichen Beschuldigten betrachten.

Das Gesamtbild umfasst:

  • Frauen, die der Blasphemie beschuldigt werden,
  • Frauen, die inhaftiert werden,
  • Ehefrauen, die allein zurückbleiben,
  • Mütter, die für ihre inhaftierten Kinder kämpfen,
  • und Töchter, die aufgrund von Anschuldigungen gegen ihre Väter ihre Heimat verlassen müssen.

Die geschlechtsspezifischen Folgen reichen weit über den Gerichtssaal hinaus.

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