Getötet vor dem Prozess: Blasphemiebedingte Lynchmorde in Pakistan dokumentiert

Polizei steht einer Menschenmenge bei einem Blasphemievorfall in Pakistan gegenüber – Symbolbild

Lynchmorde wegen Blasphemie in Pakistan haben Menschen das Leben gekostet, bevor Gerichte feststellen konnten, ob die gegen sie erhobenen Vorwürfe zutrafen. Ein grundlegender rechtsstaatlicher Grundsatz ist einfach:

Eine beschuldigte Person ist keine verurteilte Person.

Dennoch wurden in Pakistan wiederholt Menschen nach Blasphemievorwürfen getötet, noch bevor Gerichte über ihre Schuld oder Unschuld entscheiden konnten.

Manzoor Masih

Der christliche Angeklagte Manzoor Masih wurde 1994 vor einem Gerichtsgebäude angegriffen, während gegen ihn gemeinsam mit Salamat Masih und Rehmat Masih ein Blasphemieverfahren lief.

Er wurde getötet.

Seine Mitangeklagten überlebten.

Später wurden sie freigesprochen.

Shama und Shahzad Masih

Im November 2014 wurde das christliche Ehepaar Shama und Shahzad Masih nach Vorwürfen im Zusammenhang mit religiösem Material angegriffen.

Eine aufgebrachte Menschenmenge schlug die beiden und verbrannte sie in einem Ziegelofen.

Vor ihrem Tod hatte kein Gericht abschließend über die gegen sie erhobenen Vorwürfe entschieden.

Mashal Khan

Im April 2017 wurde der Universitätsstudent Mashal Khan beschuldigt, im Internet blasphemische Äußerungen verbreitet zu haben.

Eine Menschenmenge griff ihn auf dem Universitätsgelände an.

Er wurde geschlagen und erschossen.

Spätere Ermittlungen konnten den gegen ihn erhobenen Blasphemievorwurf nicht bestätigen.

Priyantha Kumara

Im Dezember 2021 wurde der sri-lankische Fabrikmanager Priyantha Kumara in Sialkot der Blasphemie beschuldigt.

Eine Menschenmenge tötete ihn und verbrannte anschließend seinen Leichnam.

Waris

Im Jahr 2023 befand sich Waris bereits in einer Polizeistation in Gewahrsam, als eine Menschenmenge das Gebäude stürmte.

Die Angreifer zerrten ihn nach draußen und töteten ihn.

Nazir Masih

Im Jahr 2024 wurde der ältere Christ Nazir Masih in Sargodha angegriffen, nachdem ihm die Schändung von Koranmaterial vorgeworfen worden war.

Später erlag er seinen Verletzungen.

Warum eine sorgfältige Dokumentation wichtig ist

Ein Lynchmord kann bereits nach wenigen Nachrichtenzyklen aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden.

Ein dauerhaftes Archiv hält dagegen wichtige Informationen fest:

  • den Namen des Opfers,
  • seine Religionszugehörigkeit,
  • das Datum,
  • den Ort,
  • die Art der Anschuldigung,
  • den Stand des Strafverfahrens,
  • die Umstände des Todes
  • und die Frage, ob die Täter strafrechtlich verfolgt wurden.

Diese Unterscheidung ist für die historische Dokumentation von großer Bedeutung.

Das Opfer sollte niemals lediglich als „ein von einer Menschenmenge getöteter Gotteslästerer“ in Erinnerung bleiben.

Die sachlich korrekte Beschreibung lautet:

eine Person, die der Blasphemie beschuldigt und getötet wurde, bevor ein ordnungsgemäßes rechtsstaatliches Verfahren abgeschlossen werden konnte.

Fazit

Eine Menschenmenge kann keine Beweise untersuchen.

Sie kann keine Zeugenaussagen überprüfen.

Sie kann keine Berufung anhören.

Sie kann einen Irrtum nicht korrigieren.

Ist ein Mensch erst einmal tot, kann selbst eine spätere Feststellung seiner Unschuld ihm das Leben nicht zurückgeben.

Deshalb ist Lynchjustiz keine alternative Form der Rechtsprechung.

Sie ist die Zerstörung der Justiz.

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