Wer Beschuldigte verteidigt, riskiert sein Leben: Anwälte in Pakistans Blasphemieverfahren

Anwalt verteidigt einen wegen Blasphemie angeklagten Menschen in Pakistan – Symbolbild

Anwälte in Blasphemieverfahren in Pakistan können Einschüchterungen, Drohungen und sogar tödlicher Gewalt ausgesetzt sein, wenn sie Beschuldigte verteidigen.

Das Recht auf einen Anwalt gehört zu den grundlegenden Prinzipien eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens.

Doch in den besonders sensiblen Blasphemieverfahren Pakistans können Anwälte allein dadurch Bedrohungen ausgesetzt sein, dass sie die Verteidigung eines Beschuldigten übernehmen.

Manchmal waren die Folgen tödlich.

Rashid Rehman

Der Menschenrechtsanwalt Rashid Rehman vertrat den Universitätsdozenten Junaid Hafeez, dem Blasphemie vorgeworfen wurde.

Berichten zufolge erhielt Rehman wegen seiner Arbeit Drohungen.

Im Mai 2014 wurde er ermordet.

Seine Ermordung sendete ein erschreckendes Signal an die gesamte pakistanische Anwaltschaft.

Ein Anwalt konnte allein deshalb zur Zielscheibe werden, weil er dafür sorgte, dass eine beschuldigte Person rechtlich verteidigt wurde.

Was geschieht, wenn Anwälte Angst haben?

Die Auswirkungen reichen weit über den einzelnen Angeklagten hinaus.

Andere Anwälte könnten sich weigern, vergleichbare Fälle zu übernehmen.

Junge Juristen könnten zu dem Schluss kommen, dass das persönliche Risiko zu groß ist.

Verteidiger könnten davor zurückschrecken, feindselige Zeugen kritisch zu befragen.

Verfahren könnten dadurch ohne die Qualität der rechtlichen Vertretung stattfinden, die normalerweise zu erwarten wäre, wenn einem Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe oder sogar die Todesstrafe droht.

Verteidigung bedeutet keine Zustimmung

Dieser Grundsatz ist von entscheidender Bedeutung:

Wer eine Person verteidigt, die der Blasphemie beschuldigt wird, unterstützt damit nicht die Blasphemie.

Ein Anwalt, der einen des Mordes beschuldigten Menschen vertritt, unterstützt schließlich auch keinen Mord.

Seine Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass die Anklage ihre Vorwürfe auf rechtmäßige Weise beweisen muss.

Derselbe Grundsatz gilt auch hier.

Die Erkenntnisse der International Commission of Jurists

Die International Commission of Jurists (ICJ) dokumentierte Einschüchterungen und Schikanen gegen Anwälte und Richter als eines der systemischen Probleme, die faire Blasphemieverfahren in Pakistan beeinträchtigen.

Die Organisation stellte außerdem Probleme im Zusammenhang mit wirksamer anwaltlicher Vertretung, strafrechtlichen Ermittlungen und lang andauernder Untersuchungshaft fest.

Die Konsequenz liegt auf der Hand.

Ein Angeklagter kann kein faires Verfahren erhalten, wenn die Person, die ihn verteidigen soll, um ihr eigenes Leben fürchten muss.

Fazit

Ob das Recht auf anwaltliche Vertretung tatsächlich gewährleistet ist, zeigt sich vor allem dann, wenn ein Angeklagter von großen Teilen der Gesellschaft verachtet wird.

Beliebte Angeklagte sind weit weniger auf verfassungsrechtlichen Schutz angewiesen als unbeliebte.

Der Tod von Rashid Rehman zeigt, dass zu den Opfern im Umfeld eines Blasphemievorwurfs auch Menschen gehören können, die selbst niemals der Blasphemie beschuldigt wurden.

Manchmal kann es bereits gefährlich sein, lediglich an der Seite eines Beschuldigten zu stehen.

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