Kinder, die in Pakistan wegen Blasphemie angeklagt werden, gehören zu den besonders schutzbedürftigen Beschuldigten. Nur wenige Fälle zeigen die Härte des pakistanischen Systems im Umgang mit Blasphemievorwürfen so deutlich wie jene, in denen Kinder beschuldigt werden.
Auch Minderjährige wurden bereits mit Anschuldigungen konfrontiert, die zu Haft, Gewalt gegen ihre Gemeinschaft und Bedrohungen gegen ganze Familien führen können.
Salamat Masih
Salamat Masih war etwa zwölf Jahre alt, als ihm vorgeworfen wurde, angeblich blasphemische Worte geschrieben zu haben.
Dabei gab es ein grundlegendes Problem hinsichtlich der Beweislage:
Berichten zufolge konnte Salamat weder lesen noch schreiben.
Dennoch wurde das Verfahren fortgesetzt.
Schließlich wurde er zum Tode verurteilt, bevor ihn der Lahore High Court später freisprach.
Während des Verfahrens wurde sein erwachsener Mitangeklagter Manzoor Masih bei einem Angriff vor einem Gerichtsgebäude ermordet.
Ein Kind musste sich somit einem Strafverfahren stellen, das von realer und tödlicher Gewalt überschattet wurde.
Rimsha Masih
Im Jahr 2012 wurde ein weiteres christliches Kind, Rimsha Masih, international bekannt, nachdem ihr vorgeworfen worden war, religiöses Material entweiht zu haben.
Berichten zufolge hatte sie intellektuelle oder entwicklungsbedingte Beeinträchtigungen.
Das Strafverfahren brach später zusammen, nachdem Vorwürfe aufgekommen waren, Beweismittel seien manipuliert worden.
Der Islamabad High Court stellte das Verfahren gegen sie ein.
Doch die Gefahr für Rimsha und ihre Familie verschwand dadurch nicht einfach.
Ein achtjähriges hinduistisches Kind
Im Jahr 2021 wurde ein achtjähriger hinduistischer Junge im Punjab nach einem Vorfall in einer Madrasa der Blasphemie beschuldigt.
Der Fall erregte international Aufmerksamkeit – nicht zuletzt wegen des außergewöhnlich jungen Alters des Kindes.
Im Zusammenhang mit den weiteren Entwicklungen in diesem Fall wurde ein hinduistischer Tempel von einer aufgebrachten Menschenmenge angegriffen.
Die Folgen der Anschuldigung reichten somit weit über das betroffene Kind hinaus.
Warum Kinder besonderen Schutz benötigen
Kinder verstehen möglicherweise nicht:
- was überhaupt eine Straftat darstellt,
- warum ihre Worte auf eine bestimmte Weise ausgelegt werden,
- dass sie ein Recht auf rechtlichen Beistand haben,
- welche Folgen eine Aussage gegenüber der Polizei haben kann
- oder welche Tragweite die Unterzeichnung eines Dokuments haben kann.
Kinder mit Entwicklungsstörungen oder intellektuellen Beeinträchtigungen sind noch stärker gefährdet.
Wenn die ganze Familie mitbeschuldigt wird
Wird ein Kind der Blasphemie beschuldigt, können auch die Eltern faktisch zu Gefangenen dieser Anschuldigung werden.
Sie können ihre Arbeit verlieren.
Geschwister gehen möglicherweise nicht mehr zur Schule.
Die Familie kann gezwungen sein, ihren Wohnort zu verlassen.
Nachbarn können aus Angst den Kontakt zu ihr meiden.
Selbst nach einem Freispruch kann eine Rückkehr nach Hause unmöglich sein.
Fazit
Ein Rechtssystem muss auch daran gemessen werden, wie es mit denjenigen umgeht, die sich selbst am wenigsten verteidigen können.
Bei einem Vorwurf, der schwerwiegend genug ist, um Gewalt durch aufgebrachte Menschenmengen auszulösen, müssen mehr Schutzmaßnahmen gelten, wenn ein Kind beschuldigt wird – nicht weniger.
Kein Kind sollte zum Ziel kollektiver Wut werden, noch bevor es überhaupt alt genug ist, die gegen es erhobene Anschuldigung zu verstehen.
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