Wer wird in Pakistan der Blasphemie beschuldigt? Betroffen sind sowohl Muslime als auch Christen, Ahmadis, Hindus und Angehörige anderer Gemeinschaften.
Die Kontroverse um Pakistans Blasphemiegesetze wird manchmal ausschließlich als Verfolgung religiöser Minderheiten dargestellt.
Eine solche Beschreibung lässt jedoch einen wichtigen Teil der Realität außer Acht.
Auch Muslime werden der Blasphemie beschuldigt.
Gleichzeitig sind religiöse Minderheiten angesichts ihres wesentlich geringeren Bevölkerungsanteils und ihrer gesellschaftlichen Stellung in besonderer Weise gefährdet.
Für ein vollständiges Verständnis der Problematik müssen beide Tatsachen berücksichtigt werden.
Muslimische Betroffene
Zu den muslimischen Betroffenen gehören unter anderem:
- Mashal Khan,
- Junaid Hafeez,
- Younus Shaikh,
- Waris,
- Abdul Ali
- und Dr. Shahnawaz Kunbhar.
Einige wurden inhaftiert.
Andere wurden zum Tode verurteilt.
Mehrere wurden außergerichtlich getötet.
Christliche Betroffene
Unter den christlichen Betroffenen befinden sich einige der international bekanntesten Fälle Pakistans:
- Asia Bibi,
- Ayub Masih,
- Salamat Masih,
- Sawan Masih,
- Shagufta Kausar,
- Shafqat Emmanuel,
- Shama Masih
- und Shahzad Masih.
In mehreren Fällen, in denen Christen beschuldigt wurden, richtete sich die Gewalt nicht nur gegen die Beschuldigten selbst, sondern griff auch auf ganze Wohnviertel und Gemeinschaften über.
Ahmadis
Ahmadis sind einer zusätzlichen Ebene gesetzlicher Einschränkungen ausgesetzt, da das pakistanische Recht ihre religiöse Betätigung und religiöse Selbstdarstellung in bestimmten Bereichen ausdrücklich beschränkt.
Ihre besondere Gefährdung lässt sich daher nicht allein anhand der allgemeinen Blasphemiebestimmungen verstehen.
Hindus
Auch Angehörige der hinduistischen Minderheit Pakistans waren bereits von Blasphemievorwürfen betroffen.
Ein besonders aufsehenerregender Fall betraf ein achtjähriges hinduistisches Kind.
Zahlen brauchen Kontext
Reine Zahlen können ein irreführendes Bild vermitteln.
Selbst wenn Muslime die Mehrheit der Beschuldigten stellen, bedeutet dies nicht, dass religiöse Minderheiten von dem Problem weniger betroffen wären.
Pakistan selbst ist ein Land mit einer überwiegend muslimischen Bevölkerung.
Eine aussagekräftige Analyse muss deshalb die Zahl der Anschuldigungen ins Verhältnis setzen zu:
- dem jeweiligen Bevölkerungsanteil,
- der sozioökonomischen Stellung
- und den Folgen, denen die Betroffenen nach einer Anschuldigung ausgesetzt sind.
Fazit
Dies sollte niemals zu einem Wettbewerb darum werden, welche Religionsgemeinschaft stärker betroffen ist.
Ein Muslim, der nach einer falschen Anschuldigung ermordet wird, verdient Gerechtigkeit.
Ein Christ, der zum Tode verurteilt und später freigesprochen wird, verdient Gerechtigkeit.
Ein Ahmadi, der wegen religiöser Äußerungen inhaftiert wird, verdient Gerechtigkeit.
Ein hinduistisches Kind, das in einen Blasphemiefall hineingezogen wird, verdient Schutz.
Der grundlegende rechtsstaatliche Grundsatz muss für alle gleichermaßen gelten:
Das Recht auf ein ordnungsgemäßes und faires Verfahren gehört nicht nur den Angehörigen einer bestimmten Religion.
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