Die Geschichte der Blasphemiegesetze in Pakistan beginnt bereits vor der Gründung des Landes und reicht von der britischen Kolonialgesetzgebung bis zu weitreichenden Änderungen unter General Zia-ul-Haq.
Pakistan hat sein gesamtes rechtliches System zur Bestrafung von Blasphemie nicht erst 1947 geschaffen.
Ein Teil davon wurde aus Britisch-Indien übernommen.
Nach der Unabhängigkeit wurden die Gesetze jedoch erheblich verändert – insbesondere im Zuge des Islamisierungsprogramms von General Muhammad Zia-ul-Haq.
Um die heutige Situation zu verstehen, ist ein Blick auf diese Geschichte unerlässlich.
Koloniale Ursprünge
Das indische Strafgesetzbuch von 1860 enthielt bereits Bestimmungen über Straftaten im Zusammenhang mit Religion.
Die britischen Kolonialbehörden waren bestrebt, religiös motivierte Konflikte innerhalb einer Bevölkerung mit unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften einzudämmen.
Nach seiner Unabhängigkeit übernahm Pakistan einen großen Teil dieser Rechtsstruktur.
1927 und Paragraf 295-A
Religiöse Spannungen in Britisch-Indien führten 1927 zur Einführung von Paragraf 295-A, der vorsätzliche und böswillige Handlungen unter Strafe stellte, die darauf abzielten, religiöse Gefühle zu verletzen.
Diese Bestimmung existierte somit bereits vor der Gründung Pakistans.
Pakistan nach der Unabhängigkeit
In den folgenden Jahrzehnten veränderte sich die Rechtslage erheblich.
Während der Herrschaft von General Zia-ul-Haq in den 1980er-Jahren wurden neue Bestimmungen eingeführt, die sich speziell auf islamische religiöse Persönlichkeiten und Schriften bezogen.
Dazu gehörten unter anderem die Paragrafen 295-B und 295-C.
Darüber hinaus wurden besondere gesetzliche Bestimmungen eingeführt, die die religiöse Betätigung und Selbstdarstellung von Ahmadis einschränkten.
Paragraf 295-C
Paragraf 295-C betrifft abwertende Äußerungen über den Propheten Muhammad.
Infolge späterer gerichtlicher Auslegung wurde die Todesstrafe zur zwingenden Strafe für dieses Delikt.
Diese Bestimmung bildet die rechtliche Grundlage für zahlreiche international bekannte Blasphemieverfahren in Pakistan.
Warum diese Geschichte wichtig ist
Lediglich zu sagen:
„Pakistan hat sein Blasphemiegesetz von Großbritannien geerbt.“
ist unvollständig.
Ebenso unvollständig wäre die Aussage:
„Zia schuf Pakistans Blasphemiegesetze.“
Die tatsächliche historische Entwicklung ist differenzierter.
Die koloniale Gesetzgebung schuf die Grundlage; spätere pakistanische Regierungen erweiterten und verschärften das System.
Fazit
Gesetze sind das Ergebnis historischer Entscheidungen.
Sie werden geschaffen.
Sie werden geändert.
Sie werden ausgelegt.
Und sie können neu überdacht werden.
Um zu verstehen, wie Pakistan zu seinem heutigen gesetzlichen Rahmen gelangte, muss man dessen historische Entwicklung kennen.
Nur so lässt sich auch die Kontroverse verstehen, die diese Gesetze bis heute umgibt.
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